Chronologie der Entstehung von zip-fm und freie-radios.net

  • 22. Juli 1997: Erstes Treffen am „Küchentisch in Geiswasser/Elsaß“, Ideensammlung
  • 25. – 27. September 1997: Treffen in Marburg unter dem Motto „Kein Tag mehr ohne Info“, Diskussion eines Konzeptes, das als Vorläufer von „zip-fm“ gelten kann
  • 28. – 30. November 1997: Treffen in Marburg zum „Regalsystem“, die Idee von www.freie-radios.net nimmt Gestalt an; danach: heftige Diskussionen in den BFR-Mailinglisten (siehe unten auf dieser Seite)
  • 1998: zahlreiche Treffen (13. – 15. Februar in Stuttgart, 17. – 19. April in Erfurt, 4./5. April in Haina, 11. – 13. September in Tübingen, 18. – 23. Oktober in Hattingen, www.freie-radios.net entsteht)

Die Idee des täglichen Infos/zip-fm schlummerte in der Folgezeit, bis zum Pfingst-Camp 2002 in Markelfingen. Dort gründete sich der Kern der heutigen Redaktion – übrigens ein Jahr nach dem Onda-Info, das ebenfalls (2001) beim Camp in Markelfingen gegründet wurde.

Auseinandersetzung im Vorfeld

zip-fm sorgte jahrelang für lebhafte Debatten: Im Mittelpunkt stand seinerzeit die Frage, ob Beiträge lediglich einzeln in eine Audio-Mailbox gestellt und von den beteiligten Radios abgerufen werden können (so entstand www.freie-radios.net) oder ob täglich überregional eine 30-minütige Info-Sendung fertiggestellt werden soll. Seit einem nun viele Jahre zurückliegenden ersten Treffen am 22. Juli 1997 scheinen manche Punkte überholt, die Frage nach der Koordination etwa oder insbesondere die nach dem Zugang zu der Technik stellt sich heute völlig verändert. Auszüge aus einer Diskussion via E-Mail.

Freiburg (1): Die zentrale Problemstellung ist, daß wir werktags mindestens eine politische Nachrichten-Schiene wollen, diese aber nirgends realisieren können. Das kostet wahnsinnig Kraft, hat oft Beiträge zur Folge, die hinter den eigenen Ansprüchen hinterherhinken und führt bei unseren HörerInnen auch nicht gerade zu Freudensprüngen…

Wir wollen deshalb die Gründung einer überregionalen Redaktion anregen, deren Mitglieder täglich ein 30-minütiges Info-Magazin auf die Beine stellen: Kurzmeldungen berichten über bekannte Themen, bei denen sich irgendwas relevantes weiterentwickelt hat. Im Mittelpunkt aber stehen Beiträge von mehreren Minuten Länge.

Die Änderung gegenüber dem bisherigen wäre: Dadurch, daß sich sagen wir zehn Städte die Erstellung dieses täglichen Infos teilen kann es möglich werden, wieder all-täglich ein informatives sowie politisch nützliches Programm über den Äther zu schicken. > mehr

Freiburg (2): Manchmal frag ich mich ob das nicht ein Stück aus dem Tollhaus ist. Da werden beim Landes- wie Bundesverband von einer bestimmten politischen Tendenz alle verbindlichen politischen Festlegungen, die ein überregional wirksames, politisches, gemeinsames Handeln ermöglichen könnten verhindert. Um mühsame Kompromisse muß gerungen werden – vgl. Tübinger Beschlüsse des Bundesverbandes zum Programmaustausch – die gerade alles verhindern wollten was nach zentraler politischer Steuerung riechen könnte. Und nun das: Vorgezirkelt in persönlichen Bekanntenskreisen – unter strikter Vermeidung der Beratung in allen überregionalen Gremien, der zentralste, hoch-politische Vorstoß überhaupt: ein bundesweites Info.

Ich möchte doch alle Vertreter von Radios, die bisher vehement gegen jede gemeinsame politische Festlegung bundesweit gestritten haben zumindest bitten, ihre 180-Grad-Wende wenigstens mal in Umrissen darzulegen. > mehr

Freiburg (1): Die zwei bis drei Personen, die evtl. Koordinationstätigkeiten übernehmen sollen, werden von uns nicht aus Propaganda-Gründen „KoordinatorInnen“ genannt, sondern weil sie in der Tat lediglich das organisatorisch befördern sollen, was dezentral redaktionell geschaffen wird. Wir erteilen denjenigen eine Absage, die sich bezahlten Journalismus in Freien Radios wünschen. Bei euch in Freiburg gibt es diese „Tendenzen“.

Dresden: Es ist sicherlich möglich, im nachhinein die allgemeinen Tübinger Beschlüsse nur auf das e-mailing bezogen wissen zu wollen. Ich sehe das aber nicht so, sondern verstehe sie als generelle Grundlage des Austausches zwischen den Radios. Somit komme ich zu dem dann logischen Schluss, daß mit der Zurückweisung derselben auf das e-mailing die Intention besteht, sie nicht für andere Bereiche ebenso gelten zu lassen. Das hat wiederum nur dann einen Sinn, wenn man sie in ihrem inhaltlichen Kern umgehen will. > mehr

Tübingen: Eine Initiative, die über den reinen Programmaustausch hinausgeht (ich würde hier mal von einem „elektronischen Regalsystem“ sprechen) und zusätzlich ein zusammengestelltes Magazin anstrebt steht bewußt und gewollt außerhalb dieser Tübinger Beschlüsse. Ich fände es also falsch, den Kern der Tübinger Beschlüsse auszuhöhlen – sie sind gut, wie sie sind. Aber ich finde es eine Überlegung wert, einen zusätzlichen Kern zu bilden! > mehr

Freiburg (1): Ich möchte nochmal betonen: Wir wollen wir dieses Magazin dezentral produzieren: Diejenigen aus den Reihen der beteiligten Radios, die sich für eine Mitarbeit in der überregionalen Redaktion entschieden haben, übernehmen je nach ihren Kapazitäten die Zuarbeit an bestimmten Tagen, möglicherweise ihrem bisherigen Redaktions-Tag – so entsteht für sie kaum zusätzliche Arbeit. An jenem Tag produzieren sie vorher abgesprochene Beiträge zu vorher abgesprochenen Themen und Aspekten, können sich umgekehrt aber auch aus den überregional erstellten Beiträgen/Sendungen bedienen. Die Beiträge werden im Laufe des Tages digitalisiert und via Internet an einen für diesen Tag zuständigen Ort geschickt.

Dort sitzen zwei, drei Personen, die die Sendung des jeweiligen Tages organisatorisch auf die Füße stellen. Bereits in den Vortagen war es ihr Job, die Themen des Tages zu überblicken (wollen zwei Leute in zwei Städten dasselbe machen? fehlt ein Thema, das an diesem Tag eigentlich politisch wichtig wäre??…), zu telefonieren und die Planungen via E-Mail transparent zu machen.

Dresden: Dann frage ich mich, wer soll das sein? Können wir Hierarchien – formelle oder informelle – ausschließen? Können wir lernen, sie zu erkennen und abzubauen? Können wir Strukturen schaffen und Menschen unterstützen, die „hierarchiefeindlich“ sind?

Tübingen: Wenn wir das alles nicht beantworten können werden wir nie die Putzigkeit von Bonsairadios hinter uns lassen können. Wir hier in Tübingen stehen ganz konkret vor der Entscheidung: Geben wir – wie Freiburg, Nürnberg oder Hannover beispielsweise – Geld für eineN lokaleN InfokoordinatorIn aus oder für eineN ÜberregionaleN? Bei unserem Wortanteil, bei dem im weitesten Sinne eine politische Betrachtung der Welt von unten rüberkommt wird es für uns hier manchmal fragwürdig, wofür wir den Rummel die ganze Zeit betreiben. Nur für besere Zeiten? Und wer sorgt für die, wenn nicht wir?

Freiburg (1): Ich will nochmal in Erinnerung rufen: Wir diskutieren, täglich eine halbe Stunde Info „fertigzustellen“, weil vermutlich in einigen Radios die Kräfte auch nicht dafür ausreichen würden, aus einem elektronischen Regalsystem einzelne Beiträge runterzuladen und daraus täglich eine Sendung zu erstellen.

Zürich: Wir hier in Zürich sind begeistert von dem Regalsystem, allerdings skeptisch in technischer Hinsicht, da sich vor Ort nur wenige mit diesen Dingen auskennen. An zentraler Koordination haben wir kein Interesse. Wir weisen darauf hin, daß auch zum jetzigen Zeitpunkt die Vernetzung schon wesentlich besser sein könnte. Auch Bern würde gerne mitmachen, ist technisch jedoch noch meilenweit davon entfernt. Aarau hat Interesse und technische Kapazitäten. > mehr

Stuttgart: Am Regalsystem gibt’s bei uns starkes Interesse, die Skepsis gegenüber der zentralen Koordination ist aber geblieben. Finanziell wären wir auf Drittmittel angewiesen, wir haben jetzt schon Probleme, unseren Sendealltag zu finanzieren.

Erfurt: Wir können uns für Regalsystem und Zentralkoordination erwärmen. Wir hätten auch eine interessante „connection“ zu einem sehr wohlgesonnen Uni-Server. Außerdem entsteht bei uns gerade über diese Uni-connection eine deutschsprachige, hörbare „Le Monde Diplomatique“-Sendung.

Alle: Da die meisten Initiativen am Regalsystem interessiert sind, werden wir konkret diese Sache weiter vorrantreiben. An der zentralen Kordination werden die Initiativen, die das wollen, dranbleiben. Sie werden an Konzept und Widersprüchen genauer weiterreden und das gegebenenfalls zurücktragen.

-------------------------------------

Was folgte, war eine Phase des (technischen) Lernens: Wie erzeuge ich mp3s, wie bekomme ich einen Internet-Zugang so zum Laufen, dass es möglich wird, die für damalige Verhältnisse riesigen Dateien hochzuladen. Und überhaupt: Wie kommen die Töne in den Computer und auch wieder heraus? Anekdoten ließen sich zu Hauf berichten, etwa, wie in einem Radio Sendungen auf Cassette produziert, dann mühsam digitalisiert und schließlich von jemandem, der (!) sich auskannte hochgeladen wurden.

Dann gab es da einen Workshop („Nachrichten im Freien Radio“) beim Radiocamp in Markelfingen, WorkshopteilnehmerInnen, die sich nach der Vorstellung der Idee eines vernetzten Info-Magazins „geradezu euphorisiert“ (wörtlich) fühlten … – und schließlich eine erste Sendung von zip-fm am 1. Juli 2002.